Projekt Menschlichkeit

Zusammenkommen und zuhören

Niemand steht morgens auf und denkt sich: „Ich werde heute die Überlebenschancen meiner Kinder zerstören und von allen Menschen die ich kenne und von allen, die gerade leben. Alles, was ich heute mache, wird ihr Leben schlechter machen.“
Das ist nicht, wofür Menschen morgens aufstehen. Aber sie sind gefangen in einer Gesellschaft, in einem kulturellen und ökonomischen System, das sie in dieses Verhalten drängt. 
(Prof. Julia Steinberger: Das Ende der Welt, wie wir sie kennen. NDR-Dokumentation 2022)

Beim Projekt Menschlichkeit geht es um den grundlegenden Wunsch der Menschen nach einem friedlichen und für alle positiven Zusammenleben und dem daraus hervorgehenden Willen zur Kooperation. Gemeinsam stellen wir dieses alltägliche Wohlwollen der Menschen in den Mittelpunkt unserer Entscheidungsfindung. Das Ergebnis ist eine Verbesserung unserer Demokratie und der Aufbau einer selbstbestimmten Gesellschaft. Wir nehmen das Heft des Handelns in die Hand, damit wir die Probleme, mit denen unsere Gemeinschaften konfrontiert sind, gemeinsam angehen können.

Wir tun dies, indem wir eine Welle von selbstorganisierten und professionell moderierten Gemeindegesprächen in der gesamten Bundesrepublik ins Leben rufen. Diese lokalen Versammlungen sind neue und unabhängige Zusammenkünfte, bei denen die Menschen zusammenkommen, um einander zuzuhören und zu verstehen und zu planen, wie sie sich gemeinsam für die Verbesserung der Dinge einsetzen können, die in ihrer Gemeinde am wichtigsten sind. In einigen Orten arbeiten wir mit bereits bestehenden Organisationen und Gruppen zusammen. An anderen Orten gründen Menschen ganz neue Gruppen, um Versammlungen ins Leben zu rufen. Die Gemeinschaftsbewegungen oder Aktionen, die sie anregen, gründen auf der Idee, dass wir Bürger*innen gemeinsam eine viel bessere Arbeit leisten können als das bestehende, auf Konkurrenz ausgerichtete politische System.

Wer ist Projekt Menschlichkeit?

Das Projekt Menschlichkeit ist bislang eine Gruppe ganz normaler Menschen vorwiegend aus der Sozial- und Umweltbewegung, die wissen, dass wir in unseren verschiedenen Gemeinschaften zusammenarbeiten müssen, um erfolgreich zu sein. Alle, die diese Zeilen lesen, wissen, dass die Dinge nicht gut aussehen. Die Menschen haben immer weniger Geld in der Tasche und der Druck, dem sie ausgesetzt sind, wird von Jahr zu Jahr größer. Menschen sind desillusioniert, besorgt und wissen oft nicht, wohin sie sich wenden und was sie tun können, um die Dinge zu verbessern. Es ist Zeit für eine Bewegung, die politische Polarisierungen überwindet und sich auf den Erhalt und die Verbesserung unserer Demokratie selbst konzentriert. Das Projekt Menschlichkeit ist nicht parteipolitisch orientiert. Vielmehr sehen wir in einer Veränderung der Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden, eine grundlegende Verbesserung für unser Land und unsere Gemeinschaften.

Katharina  vom Lenkungsteam erklärt Hintergundaspekte zum Projekt Menschlichkeit: https://youtu.be/VvGZma1SWeg

1.Lokale Versammlungen

Lokale Versammlungen bilden das Fundament der Veränderung. Bei einer lokalen Versammlung kommen Menschen zusammen, hören einander zu und respektieren, was jede/r zu sagen hat. Ausgebildete Moderator*innen helfen den Teilnehmenden, Urteile und Annahmen zu hinterfragen und ggf. hinter sich zu lassen. Bei einer Versammlung geht es nicht darum, Vereinbarungen zu erzwingen oder den Organisator*innen die Möglichkeit zu geben, anderen ihre Weltanschauung aufzuzwingen. Im Kern beginnen sie mit einem Prozess des aktiven Zuhörens, bei dem es darum geht, gegenseitigen Respekt und Verständnis zu entwickeln.

Aber Versammlungen sind auch keine reinen Gesprächsrunden. Die Gespräche müssen irgendwo hinführen – und zwar zu lokalen Kampagnen, zu Aktionen in der Gemeinde und schlussendlich zu einer nationalen Diskussion darüber, was wir als Menschen in diesem Land gemeinsam anpacken müssen und wie wir das konkret tun wollen. Wenn so viele Menschen zusammenkommen, wie nie zuvor – weil wir wissen, dass es jetzt oder nie heißt – dann können wir zuhören, uns austauschen und einen Plan für das weitere Vorgehen machen.

Ziel 1: Entfeindet euch!

  • lernen, wieder miteinander zu reden;  andere Sichtweisen kennenlernen, die einem normalerweise aufgrund der eigenen sozialen Eingebundenheit nicht bekannt sind
  • sich darüber austauschen, in welcher Welt wir leben wollen, was uns wichtig ist, um sich auch der eigenen Wünsche bewusst zu werden

Ziel 2:

  • den politischen Gestaltungswillen wecken, das Bedürfnis sich politisch einzubringen und den Wunsch nach Mitbestimmung wachrütteln.

Ziel 3:

  • (dauerhafte) Mitgestaltungsmöglichkeiten etablieren, Planungszellen und Bürgerräte

Aktuell werden in verschiedenen Orten erste Lokale Versammlungen ins Leben gerufen (Freiburg, Greifswald, Nürnberg, Berlin, Markkleeberg). Vorbild ist das  Project Humanity in England, inzwischen finden sich entsprechende Initiativen auch in verschiedenen Ländern Europas, die auch als zusammengehörig auftreten.

Das große Ganze

Wir verbinden die lokalen Versammlungen mit einer neuen nationalen Institution: der Bundesweiten Versammlung, mit der wir eine bedeutende neue Seite in der Geschichte unserer Demokratie aufschlagen. Wir stiften eine Kultur, in der Millionen von Menschen im ganzen Land einander zuhören, sich nicht auf das konzentrieren, was sie trennt, sondern was sie verbindet, und in der sie beginnen, mit ihrer eigenen Stimme zu sprechen. Die bundesweite Versammlung ist der Ort, an dem unsere Nation sich selbst trifft, einander zuhört und über die Themen entscheidet, die uns alle betreffen. Die bundesweite Versammlung wird eine repräsentative Momentaufnahme der bundesdeutschen Gesellschaft sein, mit aktiver Beteiligung auf der Grundlage von Geschlecht, ethnischem Hintergrund, Alter, Klasse, Einkommen und Behinderung. Unser Schwerpunkt liegt auf den steigenden Lebenshaltungskosten und der Klimakrise. Diese beiden Themen bedrohen das Gefüge unserer Gesellschaft, und wir sind uns bewusst, dass der Anstieg der Preise für Güter und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs untrennbar mit dem Anstieg der globalen Temperaturen verbunden ist. Denn beide Probleme entspringen letztlich aus der gleichen Wurzel, dem Zwang unseres Systems zu Wachstum und damit zunehmendem Ressourcenverbrauch.

2.Demokratie-Update:

Unter Einbeziehung einer Reihe von Expertinnen werden Konzeptionen gesammelt und zusammengeführt, wie eine neue Demokratie aussehen kann, die sich am Gemeinwohl und den Interessen der Bevölkerung orientiert. Die Einladung ging an Initiativen, die sich mit Demokratieentwicklung befassen, ihre Konzepte einzureichen, die diskutiert und integriert werden können. Orientierungspunkt ist Wolfgang Oels: Democracy for Future. Hier geht´s zum Aufruf: https://du-bist-souveraen.de/ 

Ziel: institutionelle Etablierung demokratischer Partizipation, Politikerinnen als Ermündigungshelfer

Eine erste Online-Einführung fand am 06.03.24 statt. Alexander Grevel spricht mit Jascha Rohr (Institut für partizipatives Gestalten) zur Rolle und Limitationen von Bürgerräten:  https://youtu.be/xi3mh0O7jUc

Julia Schramm spricht mit Raphael Thelen darüber, was in unserer Demokratie schiefläufthttps://www.youtube.com/watch?v=lKT2ns0jlg0
Marco Bülow spricht mit Raphael Thelen darüber, wie unsere repräsentative Demokratie gehackt wurde, und über die Gründe, warum wir normale Bürger:innen keinen Einfluss haben – und er erklärt, was wir jetzt tun müssen, um uns die Macht zurückzuholen. https://www.youtube.com/watch?v=U9Iru-npfL8

3.Kulturwandel

Der zusätzlich notwendige dritte Pfeiler der Veränderung ist die Änderung unserer Einstellungen, was die Wechselwirkungen zwischen uns Menschen, der Gesellschaft als dynamischem Ganzen und den politischen Entscheidungsprozessen sowie der diese tragenden Akteure betrifft. Wir müssen loslassen, weg von der Vorstellung, nur Forderungen an die Politik stellen zu dürfen, hin zur demokratischen Emanzipation, die Zwecke selbst bestimmen zu wollen. Wir könntne auch sagen: wir wollen dorthin zurück, den Beispiele demokratischer Selbstermächtigung finden wir bereits in unserer Geschichte.

Ziel: den solidarischen Gemeinsinn fördern und die eigene Wirkmächtigkeit kennenlernen

Die Auftaktveranstaltung fand in Berlin am 23.02.24 statt. In diesem Rahmen kam es zur Zusammenarbeit mit dem Projekt Kiezconnect aus Berlin ( www.kiezconnect.org ) und zur Integration mit der mehrtägigen Workshopreihe Nachbarschaftswende vom 11.-26.03.24. Den offiziellen Start bildete die Zusammenkunft im Bistro zur Guten Hoffnung (Heimathafen Neukölln), Berlin am 21.04.24

Warum ist das jetzt notwendig?

Eine Regierung nach der anderen hat auf spektakuläre Weise versagt, das Leben der meisten von uns zu verbessern. Millionen von Deutschen kommen nicht über die Runden und wir erreichen immer neue Rekorde im Hinblick auf Extremwetterereignisse und Temperaturen. Es gibt eine Epidemie der psychischen Erkrankungen von Jugendlichen, die Gesellschaft wird von Tag zu Tag stärker polarisiert und anstatt uns zu helfen, die wahren Ursachen zu verstehen, erzählt ein Großteil der Medien nicht die relevanten Geschichten.

Unsere Zukunft wird entweder eine Zeit mit weniger Demokratie, wachsendem Autoritarismus, strenger staatlicher Kontrolle sein oder eine Zeit mit mehr Demokratie, in der sich die einfachen Menschen auf verbindende  Weise organisieren, um unsere ungewisse Zukunft gemeinsam zu meistern.

Du willst wissen was dahintersteckt oder gleich mitmachen? Hier geht es zum Projekt Menschlichkeit: https://projekt-menschlichkeit.info/

  || 0174 / 3858788

Treffen jeden 2.Sontag 16-17 Uhr
Spenden für den Kulturwandel: gofundme.com/f/bistro-zur-guten-hoffnung